Hausbesuch vom Hörakustiker — die Versorgung kommt ins Haus
Wann ein Hausbesuch vom Hörakustiker sinnvoll ist, was beim Termin zu Hause passiert und wer die Hörgeräteversorgung bezahlt.
Der Vater ist 84, seit dem Sturz im Frühjahr kommt er kaum noch aus der Wohnung. Sein Hörgerät liegt seit Wochen in der Schublade — die Batterie leer, der Schlauch verkalkt, und in die Filiale fährt ihn niemand. Die Tochter ruft an und fragt nach etwas, das kaum jemand auf dem Schirm hat: Gibt es einen Hausbesuch vom Hörakustiker?
Die Antwort ist ja — und für viele Menschen ist sie der entscheidende Unterschied zwischen einer Versorgung, die funktioniert, und einem teuren Gerät, das niemandem hilft. Denn gutes Hören im Alter scheitert oft nicht an der Technik, sondern an einem Weg von wenigen Kilometern. Genau diese Lücke schließt ein Hausbesuch.
Wann ein Hausbesuch sinnvoll ist
Ein Hausbesuch ist immer dann sinnvoll, wenn der Weg in die Filiale zur echten Hürde wird. In der Praxis sind das vor allem diese Situationen:
- eingeschränkte Mobilität — mit Gehhilfe, Rollator oder Rollstuhl,
- ein Pflegegrad oder dauerhafte Bettlägerigkeit,
- die Zeit nach einem Sturz, einer Operation oder einem Krankenhausaufenthalt,
- eine beginnende Demenz, bei der eine fremde Umgebung zusätzlichen Stress bedeutet,
- das Leben in einer Pflegeeinrichtung,
- und Angehörige, die die Versorgung für jemanden organisieren, der selbst nicht mehr planen kann.
Hörverlust gehört zu den häufigsten Einschränkungen im höheren Lebensalter — und der fehlende Zugang zu Hörversorgung ist eines der größten, oft unterschätzten Versorgungshindernisse weltweit (World Health Organization, 2021). Wer nicht mehr mobil ist, fällt ohne aktive Unterstützung schlicht aus der Versorgung heraus.
Was beim Hausbesuch zu Hause passiert
Ein verbreitetes Missverständnis: Ein Hausbesuch sei nur eine abgespeckte Notlösung. Das Gegenteil ist der Fall — die vollständige Hörakustik kommt mit ins Haus, nur eben in vertrauter Umgebung.
Der Hörtest läuft mit einem mobilen Audiometer ab — dieselbe Messung wie in der Filiale, oft sogar ruhiger, weil das eigene Wohnzimmer keine fremde Anspannung erzeugt. Auf dem Laptop wird das Hörgerät direkt vor Ort angepasst und feinjustiert. Reinigung, Funktionsprüfung, der Wechsel von Schläuchen und Filtern, frische Batterien oder ein Akku-Check — all das gehört zum Termin. Und auch eine Ohrabformung für eine neue Otoplastik, das individuell gefertigte Ohrpassstück, nehmen wir zu Hause. Der Hausbesuch ist damit kein Sonderfall, sondern die normale Hörakustik an einem anderen Ort.
Pflegeheim und Demenz: warum der Versorgungsort entscheidet
Nirgends zeigt sich die Versorgungslücke so deutlich wie im Pflegeheim. Hörverlust ist dort die Regel, nicht die Ausnahme: In einer Untersuchung in Pflegeeinrichtungen hatten 77 % der Bewohner mindestens eine leichte Hörminderung im besseren Ohr (Garahan et al., 1992).
Entscheidend ist aber, was nach der Geräteabgabe passiert. Ein Hörgerät ist mit der Abgabe nicht versorgt — es muss jeden Tag eingesetzt, gereinigt und gewartet werden. Genau hier hakt es: In einer Untersuchung in Pflegeheimen brauchten 86 % der Bewohner mit Hörgerät Hilfe bei der täglichen Pflege ihres Geräts, bei 69 % gab es Probleme mit dem Gerät, und rund die Hälfte der Pflegekräfte war im Umgang mit Hörgeräten nicht geschult (Cohen-Mansfield & Taylor, 2004).
der Pflegeheim-Bewohner mit Hörgerät brauchten Hilfe bei der täglichen Pflege ihres Geräts.
Bei 69 % gab es Probleme mit dem Gerät, etwa die Hälfte der Pflegekräfte war im Umgang mit Hörgeräten nicht geschult. Ein Gerät, das niemand einsetzt und wartet, bleibt wirkungslos.
Hörgeräte gehören also zur täglichen Pflegeroutine wie die Brille — und die regelmäßige Betreuung vor Ort entscheidet darüber, ob ein Gerät wirkt oder in der Schublade landet. Gerade bei einer Demenz wiegt das schwer: Nicht verstandene Sprache kann Verwirrung und Rückzug verstärken, und Hörverlust zählt nach Einschätzung der Lancet-Kommission zu den größten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz (Livingston, 2024). Ein gut sitzendes, gepflegtes Hörgerät nimmt diesen zusätzlichen Stressfaktor heraus.
Hörgeräte sind ein Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenkasse — gelistet in der Produktgruppe 13 des Hilfsmittelverzeichnisses, verordnet über den HNO-Arzt und geregelt in der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, 2021). Auch bei einem Pflegegrad läuft die Hörgeräteversorgung deshalb über die Krankenkasse, nicht über die Pflegekasse. Und der Anspruch besteht unabhängig davon, ob die Anpassung in der Filiale, zu Hause oder im Pflegeheim stattfindet.
Was kostet ein Hausbesuch — und wer zahlt was
Beim Geld lohnt es sich, drei Dinge sauber zu trennen.
Die Hörgeräteversorgung selbst ist Kassenleistung. Wer gesetzlich versichert ist, hat Anspruch auf einen Festzuschuss zum Hörgerät — der Hausbesuch ändert daran nichts. Laut der Erhebung EuroTrak Germany 2025 erhalten 92 % der Hörgeräte-Nutzer in Deutschland eine Erstattung durch Kasse oder Drittzahler (European Hearing Instrument Manufacturers Association, 2025). Welcher Festzuschuss für Ihre Kasse gilt und welcher Eigenanteil realistisch ist, können Sie vorab mit unserem Kassenrechner einordnen.
Beim Hausbesuch kommt die Anfahrt hinzu. Für Kunden von Heller Hören sind Hörtest, Beratung und Service kostenlos; für einzelne Hausbesuche berechnen wir eine Anfahrtspauschale, die wir vorher offen mit Ihnen besprechen — feste Preise nennen wir bewusst erst nach dem kurzen Telefonat, weil die Entfernung den Unterschied macht.
Pflegeeinrichtungen besuchen wir ohne Anfahrtspauschale. Häuser, die wir regelmäßig betreuen, erhalten dieselbe Versorgung wie unsere Filialkunden — direkt vor Ort und ohne Zusatzkosten für den Weg.
So organisieren Sie einen Hausbesuch
Der erste Schritt ist ein Anruf — und er ist kleiner, als die meisten denken. Bei Heller Hören ist Isabell Golla die Ansprechpartnerin für Hausbesuche und die Versorgung von Pflegeeinrichtungen. Im Telefonat klären Sie gemeinsam, welche Leistung gebraucht wird und wann es am besten passt. Wir kommen im gesamten Rems-Murr-Kreis und im Raum rund um Neuhausen auf den Fildern zu Ihnen; ob Ihr Wohnort dazugehört, sagen wir Ihnen sofort am Telefon.
Alles Weitere — die vollständige Leistungsübersicht und Isabell Gollas Direktkontakt — finden Sie auf der Hausbesuche-Seite. Wenn der Weg in die Filiale machbar ist, vereinbaren Sie ebenso unkompliziert online einen Termin oder finden eine Filiale in Ihrer Nähe — in Schwaikheim, Winterbach, Berglen, Weissach im Tal oder im Hörsinn Neuhausen.
Gutes Hören soll nicht daran scheitern, dass jemand den Weg nicht mehr schafft. Ein Hausbesuch bringt die Versorgung dorthin, wo sie gebraucht wird — nach Hause.
Fragen zum Hören? Wir sind für Sie da.
Ein kostenloser Hörtest oder ein persönliches Gespräch in einer unserer fünf Filialen — wir nehmen uns Zeit für Ihre Situation.
Häufige Fragen
Wann ist ein Hausbesuch vom Hörakustiker sinnvoll?
Was kann ein Hörakustiker bei einem Hausbesuch zu Hause machen?
Wer bezahlt die Hörgeräteversorgung bei einem Hausbesuch?
In welchem Gebiet bietet Heller Hören Hausbesuche an?
Wer ist die Ansprechpartnerin für Hausbesuche bei Heller Hören?
Quellen
- Cohen-Mansfield, J., & Taylor, J. W. (2004). Hearing aid use in nursing homes. Part 2: Barriers to effective utilization of hearing aids. Journal of the American Medical Directors Association, 5(5), 289–296. https://doi.org/10.1016/S1525-8610(04)70018-3
- European Hearing Instrument Manufacturers Association (2025). EuroTrak Germany 2025. EHIMA / Anovum. https://www.ehima.com/surveys/
- Gemeinsamer Bundesausschuss (2021). Richtlinie über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Hilfsmittel-Richtlinie). G-BA. https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2467/HilfsM-RL_2021-03-18_iK-2021-04-01.pdf
- Garahan, M. B., Waller, J. A., Houghton, M., Tisdale, W. A., & Runge, C. F. (1992). Hearing loss prevalence and management in nursing home residents. Journal of the American Geriatrics Society, 40(2), 130–134. https://doi.org/10.1111/j.1532-5415.1992.tb01932.x
- Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., Ames, D., Banerjee, S., Burns, A., Brayne, C., Fox, N. C., Ferri, C. P., Gitlin, L. N., Howard, R., Kales, H. C., Kivimäki, M., Larson, E. B., Nakasujja, N., Rockwood, K., … Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 404(10452), 572–628. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01296-0
- World Health Organization (2021). World report on hearing. WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9789240020481